Student stellt Zukunftskonzept vor

Raphael Riegraf bei der
Raphael Riegraf bei der „Verteidigung“ seiner Bachelorarbeit im Juli 2015 in Nürtingen

Raphael Riegraf, Student an Fakultät Landschaftsarchitektur, Umwelt- und Stadtplanung (FLUS) der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen hat in diesem Sommer seine Bachelorarbeit im Studiengang Stadtplanung vorgelegt. Thema war ein Gemeindeentwicklungs- und Demographiekonzept 2015-2045 für die Gemeinde Pfronstetten. Auf Einladung von Bürgermeister Reinhold Teufel stellte Herr Riegraf seine Arbeit im Gemeinderat vor.

Nach Erläuterungen zur angewandten Methodik erläuterte der frisch gebackene Bachelor den Status Quo der Gemeinde:

Bevoelkerung

Pfronstetten hat eine negativen Bevölkerungsentwicklung, seit dem im Zuge der Wiedervereinigung und der Öffnung in Osteuropa Mitte der 1990er erreichten Höhepunkt von über 1.600 Einwohnern sinkt die Einwohnerzahl stetig. Neben den für die Alb typischen Wanderungsverlusten ist hierfür insbesondere eine deutlich zurückgehende Geburtenrate verantwortlich.

Arbeitsplaetze

Dem steht eine im regionalen Vergleich ungewöhnliche Entwicklung bei der Zahl der Arbeitsplätze entgegen: Vor 20 Jahren gab es nur rund 110 Arbeitsplätze in Pfronstetten, diese Zahl hat sich mehr als verdoppelt. Hier macht sich die insbesondere positive Entwicklung in den Gewerbegebieten in Aichelau und Pfronstetten bemerkbar.

Die städtebauliche Situation in der Gemeinde bewertete Herr Riegraf kritisch: In den alten Ortslagen gibt es zum einen noch zahlreiche immissionsrechtliche Restriktionen durch vorhandene landwirtschaftliche Betriebe, viel gravierender ist jedoch die Tatsache, dass Leerstände zunehmen und nur sehr wenig Eigentümer bereit sind, solche Grundstücke auch zu einer Weiternutzung abzugeben. Die Folgen werden eine fortschreitende Überalterung und soziale Entmischung der Wohnbevölkerung und eine Verödung der Dörfer sein, was wiederum auch eine schleichende Entwertung der dortigen Immobilien mit sich bringt. Ausgehend von der Prämisse, dass Pfronstetten eine familien-, senioren- und wirtschaftsfreundliche Gemeinde sein will, wurden entsprechende Visionen, Ziele und Maßnahmen formuliert. Auch an konkreten Vorschlägen ließ Raphael Riegraf es nicht fehlen: Um der älter werdenden Bevölkerung eine Teilhabe am Leben zu ermöglichen wäre es denkbar, die aufgrund der zurückgehenden Kinderzahlen im Kindergarten frei werdenden Räume für die Seniorenarbeit und Tagespflege zu nutzen. Solche Modelle werden in Schweden praktiziert und erlauben es den Senioren, am Leben der Kinder teilzuhaben – und umgekehrt. Eine Voraussetzung hierfür wäre eine entsprechende Fortbildung der dortigen Mitarbeiter.

Als wichtig wird auch ein Dialog zwischen Gemeinde und Bevölkerung zum demografischen Wandel erachtet, um diesen Prozess mit möglichst großer Akzeptanz angehen zu können. Die (Wieder-) Ansiedelung eines Arztes wurde ebenso angesprochen wie die Einrichtung eines Dorfladens mit regionalen Produkten – „G‘macht in Pfronstetten“ sollte hier der Slogan lauten. Weitere Ideen wie ein Bürgerbus, der auch für den Transport der Kinder zu Trainings- und Übungsstunden der Vereine genutzt werden kann wie auch die Empfehlung, verstärkt auf interkommunale Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden zu setzen, rundeten die Arbeit ab.

Herr Riegraf sieht für Pfronstetten eine erfolgversprechende Zukunft, allerdings müsse diese gemeinsam erarbeitet werden. Alle genannten Ideen setzen ein hohes Maß an bürgerschaftlichem Engagement voraus, den die Gemeinde allein könne dies weder finanziell noch personell alleine stemmen.

Bürgermeister Reinhold Teufel bedankte sich unter dem Beifall der Anwesenden für die Arbeit, die sich Herr Riegraf gemacht hat – vor allem auch für die kritische Sichtweise, die auch Schwächen deutlich aufzeigt. Er sah hierbei durchaus das Potenzial, einzelne Projekte auf die Realisierbarkeit hin zu prüfen. Wie gelungen die Arbeit war, zeigte sich auch bei der Benotung, die sie erreichte: 1,3 hieß es hier am Schluss. Freundlicherweise hat Herr Riegraf zugestimmt, dass seine Arbeit von der Gemeinde veröffentlicht werden darf. Sie ist auf der Homepage der Gemeinde in der Rubrik „Informationen“ bei den „Plänen für die Zukunft“ zu finden.

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