Aichelauer Bürger stimmen Rathausverkauf zu

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Es war keine einfache Entscheidung, aber letztlich gab es eine deutliche Mehrheit: In einer Bürgerversammlung sprachen sich 34 Aichelauerinnen und Aichelauer dafür aus, das Schul- und Rathaus zu verkaufen. Nur sechst stimmten dagegen.

Seit mehreren Jahren wird in Aichelau um den Fahrplan zu einem Dorfgemeinschaftshaus gerungen. Im Mittelpunkt der Diskussion: Das im Jahr 1890 erbaute Schul- und Rathaus.

Der Standort, mitten im Dorf, wäre prädestiniert für ein künftiges Dorfgemeinschaftshaus. Deshalb standen am Anfang der Diskussion auch zwei Optionen: Die mit einem Umbau zum „DGH“ verbundene Sanierung des Gebäudes oder aber der Abbruch und ein Neubau an gleicher Stelle. Beide Varianten hatten Befürworter und Gegner, und beide wurden letztlich nicht realisiert. Ein Abbruch scheiterte daran, dass das Gebäude von der Denkmalpflege des Landes als schutzwürdig ausgewiesen wurde, und der Umbau hätte aufgrund der im wesentlichen nicht veränderbaren Raumstruktur im Erdgeschoss nicht das ermöglich, was sich die Bürgerinnen und Bürger wünschen, nämlich einen größeren Versammlungsraum.

Auch die Kosten für einen möglichen Umbau des Gebäudes waren Diskussionsthema. Mindestens eine Million hätte die Gemeinde investieren müssen, und wer schon einmal mit historischer Bausubstanz gearbeitet hat, der weiß, dass hier kostenintensive Überraschungen eher die Regel als die Ausnahme sind.

Aus diesem Grund wurde im Frühjahr in einer Bürgerversammlung festgelegt, dass ein eine dritte Option geprüft werden soll, nämlich der Verkauf des Gebäudes und ein Neubau an anderer Stelle.

Anfänglich sah es dafür nicht gut aus: Ein eingeschalteter Immobilienmakler winkte ab, das Gebäude versprach aus seiner Sicht keinen Kaufpreis, der eine kostendeckende Maklercourtage hätte erwarten lassen. Deshalb versuchte die Gemeinde, die Vermarktung des Gebäudes selbst anzugehen.

Nachdem längere Zeit Flaute herrschte, kam jetzt eine Anfrage aus der Nachbarschaft: Ein Aichelauer Bürger, der vor einigen Jahren zugezogen war und ein altes Bauernhaus sorgfältig und optisch ansprechend saniert hatte, zeigte sich an einem Erwerb interessiert.

Für ein von ihm geleitetes international tätiges Beratungsinstitut, das bisher in England angesiedelt ist, sucht er – der Brexit zeigt erste Folgen – eine Dependance in Kontinental-Europa. Von der Infrastruktur (schnelle Internetverbindung) und der Gebäudegröße her käme das Aichelauer Schul- und Rathaus in Betracht. Der Saal im Erdgeschoss soll dabei als Großraumbüro genutzt werden, die Wohnung im Obergeschoss soll für freie Mitarbeiter hergerichtet werden. Die frühere Amtsstube der Aichelauer Bürgermeister soll vorerst unverändert bleiben, und in der früheren Feuerwehr-Remise könnte eine Garage entstehen.

Bürgermeister Reinhold Teufel sah im Rahmen der extra für die Verkaufsentscheidung einberufenen Bürgerversammlung die im Frühjahr für einen Verkauf formulierten Vorgaben erfüllt: Es sollte einigermaßen Gewähr dafür bestehen, dass das Gebäude ordentlich und seiner Ortsbild prägenden Bedeutung entsprechend hergerichtet wird und es soll auch eine passende Nutzung erfolgen.

Die Aichelauer Bürgerschaft machte sich die Entscheidung nicht einfach, Für und Wider eines Verkaufs wurden diskutiert. Vereinzelt wurde versucht, die Diskussionen der vergangenen Jahre neu aufzurollen und doch noch einmal einen Umbau des Gebäudes zum Dorfgemeinschaftshaus zu prüfen.

Nachdem die Argumente ausgetauscht waren, wurde abgestimmt. Das Ergebnis war dann deutlicher, als es die Diskussion hätte vermuten lassen: Zwei Anwesende konnten sich offenbar keine Meinung bilden und enthielten sich, 85% sprachen sich für einen Verkauf und 15% dagegen aus.

Dieses doch eindeutige Meinungsbild wird Bürgermeister Reinhold Teufel jetzt in den Gemeinderat tragen, wo letztlich über den Verkauf entschieden wird. Die Zustimmung des Gremiums dürfte aber als gesichert angesehen werden.

Damit ist jetzt auch der Weg frei für einen Neubau. Um die Planung zu begleiten soll ein Bauausschuss gegründet werden, potenzielle Mitglieder sollen sich bis Ende August bei den Aichelauer Gemeinderäten melden. Bis zum nächsten Sommer soll dann die Planung stehen, um dann die entsprechenden Fördermittel beantragen zu können.

Eine erste Herausforderung dürfte die Suche nach dem Standort sein: Das Wunschgrundstück in der Ortsmitte ist in privater Hand und nicht erhältlich, deshalb müssen Alternativen geprüft werden. Bürgermeister Reinhold Teufel zeigte sich zuversichtlich, dass letztlich ein Standort gefunden werden kann, er sprach sich jedoch für einen möglichst zentralen Standort aus, um das dörfliche Leben zu intensivieren.

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