Flurneuordnung als Chance für Waldarrondierung

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Revierförster Peter Ostertag (Mitte) mit Bürgermeister Reinhold Teufel und  Mitgliedern des Gemeinderats

Über die Chancen der laufenden Flurneuordnungsverfahren für eine Verbesserung der Waldbewirtschaftung in der Gemeinde informierte sich der Gemeinderat beim diesjährigen Waldtag.

Grundsätzlich bleiben die Waldflächen in den Flurneuordnungsverfahren Aichstetten/Tigerfeld und Geisingen/Huldstetten außen vor. Auf Wunsch der Eigentümer können diese aber auch mit in die Verfahren einbezogen werden. Die im Verfahren mögliche Arrondierung von Waldflächen unterschiedlichster Eigentumsarten und eine damit verbundene Vereinfachung der Bewirtschaftung ist einer der Gründe, die für eine solche Einbeziehung sprechen können. Revierförster Peter Ostertag, der für den Privatwald in Pfronstetten, Aichelau und Aichstetten zuständig ist, hatte der Gemeindeverwaltung und vor allem auch den betroffenen Holzgerechtigkeiten empfohlen, diese Möglichkeit zu überprüfen.

Um den Gemeinderat frühzeitig miteinzubeziehen, stellte Bürgermeister Reinhold Teufel beim diesjährigen Waldtag dieses Thema in den Mittelpunkt.

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Förster Ostertag begrüßte die Räte zu Beginn im Forstlichen Stützpunkt und nutzte die Gelegenheit, das Gebäude und die Aufgaben dieser im Landkreis einmaligen Einrichtung vorzustellen. Insbesondere die Ausbildung der Forstwirte im Landkreis und darüber hinaus ist eine der Hauptaufgaben des Stützpunkts. Aktuell werden acht Nachwuchskräfte ausgebildet, darunter auch eine angehende Forstwirtin. Ostertag zeigte sich erfreut darüber, dass immer wieder ausreichend und vor allem auch gut qualifizierter Nachwuchs für diesen abwechslungsreichen Beruf gefunden werden kann.

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Noch „im Warmen“  erläuterte der Forstfachmann die Ausgangslage im Bereich Aichstetten/Tigerfeld: In vielen Waldlagen haben die drei „großen“ Waldbesitzer, der Staat (Land Baden-Württemberg), die Gemeinde und die örtlichen Holzgerechtigkeiten ungünstig verlaufende Waldgrenzen. Nachdem auch und gerade im Wald eine fortschreitende Mechanisierung eingesetzt hat, sind vernünftige Flächenzuschnitte für eine effiziente Bewirtschaftung unabdingbar.

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Schon der preußische Militärwissenschaftler Claus von Clausewitz wusste: „Die beste Karte ersetzt nicht den Blick ins Felde“, deshalb wurden die in der Theorie besprochenen Bereiche anschließend vor Ort in Augenschein genommen. So gibt es auf Markung Tigerfeld Bereiche, in denen zwischen dem vorhandenen Weg und dem Staatswald ein 5-10 Meter breiter Streifen Gemeindewald vorhanden ist. Teilweise sind diese schmalen Stücke noch nicht einmal in den Bewirtschaftungskarten als unterschiedliche Eigentumsbereiche eingetragen. Hier wäre ein entsprechender Flächentausch für alle Beteiligten von Vorteil.

Der Gemeinderat war sich einig, dass einmalige Chance, welche die Flurneuordnungsverfahren bieten, auf jeden Fall genutzt werden sollte, zumal die Holzgerechtigkeit Aichstetten auch schon entsprechendes Interesse angemeldet hat. Gerade Flächentausche mit den Holzgerechtigkeiten sind in der Flurneuordnung wesentlich einfacher, da diese über die Zuteilung erfolgen und eine aktive Mitwirkung der einzelnen Holzberechtigten nicht notwendig ist.

Peter Ostertag sagte zu, seine Ortskenntnisse in diesen Prozess mit einzubringen, machte aber auch deutlich, dass er hier auf weitere Unterstützung angewiesen sei, speziell bei der Zusammenstellung der für Arrondierungen in Frage kommenden Bereiche. Bürgermeister Reinhold sagte zu, dass man hier prüfen werde, wie eine Unterstützung erfolgen kann.

Außerdem besichtigte der Gemeinderat Bereiche, in denen die vor einigen Jahrzehnten vorgenommenen Fichtenpflanzungen von der Natur „ausgesondert“ wurden. Boden und klimatische Gegebenheiten sind hier augenscheinlich nicht für diese Baumart geeignet, der sich abzeichnende und teilweise schon mess- und spürbare Klimawandel wird dies noch verstärken. Hier soll durch die Anpflanzung von Ahorn mit Wuchshüllen gegengesteuert werden. Aber auch die Eiche, die unverdient einen schlechten Ruf hat, wurde von Förster Ostertag als vielerorts geeignete Baumart empfohlen. Er warb dafür, den Gemeindewald gleich einem Gemischtwarenladen möglichst breit aufzustellen. Dann sei man auch für den Ausfall einzelner Baumarten – wie aktuell die Esche und absehbar in vielen Lagen die Fichte – besser gewappnet.

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