Bürgermeister blickt zurück und voraus

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Einen solchen Baby-Latz sollen die Eltern neugeborener Kinder ab dem neuen Jahr erhalten

Bürgermeister Reinhold Teufel nutzte die letzte Sitzung des Gemeinderats für einen kurzen Rückblick auf das Jahr 2016 und einen Ausblick auf das Jahr 2017.

Der Bericht im Wortlaut:

Unstrittig dürfte sein, dass die Welt im ablaufenden Jahr unübersichtlicher, komplizierter und insbesondere auch unsicherer geworden ist. Auch wenn sich die Flüchtlingsproblematik seit dem letzten Jahreswechsel merklich entspannt hat, die ihr zugrunde liegenden Ursachen und die von ihr ausgehenden Folgen haben wir bei weitem noch nicht im Griff. Gestern ist Aleppo gefallen, jene syrische Stadt, die sinnbildlich für das ganze Land gesehen werden kann. Ob jetzt Frieden einkehren kann, ob dann die vielen Millionen Flüchtlinge in ihre Heimat zurückkehren können, bleibt abzuwarten.

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Auch in Pfronstetten haben wir Flüchtlinge aufgenommen, und auch wir haben höchst unterschiedliche Erfahrungen mit diesen Menschen gemacht. Unsere ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer, denen ich an dieser Stelle einmal mehr herzlich für ihr Engagement danken möchte, haben mir von der großen Dankbarkeit und dem spürbaren Willen zu Integration einzelner Personen berichtet. Wir wissen aber auch, dass andere einen weniger großen Eifer an den Tag legen und eine helfende Hand leider auch mal als Servicekraft missverstehen.

Damit wir auf der kommunalen Ebene dauerhaft unseren Beitrag zur Integration leisten können, muss die Politik auf Landes- und Bundesebene aber auch die hierfür notwendigen Rahmenbedingungen schaffen. Und dazu gehört für mich auch, dass diejenigen, die tatsächlich nicht auf der Flucht sind und in ihrer Heimat keiner Verfolgung ausgesetzt sind, auch wieder dorthin zurückkehren. Und ich habe kein Verständnis dafür, dass dies als unmenschlich angesehen wird, nur weil dort nicht die Verhältnisse gegeben sind, wie wir sie glücklicherweise haben.

Genauso selbstverständlich muss es sein, dass Menschen, die bei uns Zuflucht suchen, sich aber nicht an unsere Regeln halten, ihr Gastrecht verwirkt haben. Denn solche Personen sind es, die ein schlechtes Bild auf alle werfen, die als Gäste auf Zeit bei uns sind oder die sogar eine Perspektive für eine dauerhafte Integration in unserem Land haben.

Ich bin sehr zuversichtlich, dass die Verantwortlichen im Land und im Bund dies inzwischen ähnlich sehen, so dass wir darauf hoffen können, dass es hier zu einschneidenden Änderungen kommen wird, ohne dass am Wesenskern des Grundrechts auf Asyl und der Genfer Flüchtlingskonventionen gerüttelt wird.

Wirtschaftlich geht es uns so gut wie wohl kaum einer Generation zuvor. Die meisten Volkswirtschaften in Europa haben mehr oder weniger stark unter der nach wie vor nicht ausgestandenen Euro-Krise zu leiden, in Deutschland ist davon wenig zu spüren. Aus diesem Grund sollten wir es auch im Besonderen sein, die für einen Fortbestand der Europäischen Union eintreten – aus zugegen nicht ganz uneigennützigen wirtschaftlichen Erwägungen heraus, aber auch deshalb, weil dieses Europa uns nun schon sieben Jahrzehnte lang ein friedliches Zusammenleben ermöglicht.

Und deshalb kann ich es auch nicht wirklich nachvollziehen, wenn auch bei uns auf Europa geschimpft wird und der BREXIT Großbritanniens als Option auch für die eigene Zukunft gesehen wird. Mich erinnern die Diskussionen an die Erziehung junger Hunde. Dabei – so sagt man – sei es hilfreich, wenn man einem Welpen die Nase in den eigenen Dreck steckt, damit erlernt, wie er sich zu verhalten hat. Müssen wir wirklich auch zunächst wieder die Nase in den Dreck stecken, bevor wir wissen, was gut für uns ist? Ich würde dies sehr bedauern.

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Die Hüle vor…
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… und nach der Renaturierung

Auch in unserer Gemeinde war das Jahr 2016 durchaus erfolgreich. Im baulichen Bereich konnten wir eine Maßnahme abschließen, die man getrost als „Jahrzehntprojekt“ bezeichnen kann, nämlich die Umgestaltung der Pfronstetter Hüle. Sogar die zuständige Sachbearbeiterin des Regierungspräsidiums, mit der wir die Abrechnung des ELR-Zuschusses abwickeln, hat uns vor kurzem dafür gelobt, dass sie selten zuvor eine Maßnahme mit einer so positiven Wirkung für das Ortsbild gefördert habe.

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Auch die Erschließung von Bauflächen in Pfronstetten und in Tigerfeld waren wichtige Maßnahmen. In beiden Baugebieten wird bereits gebaut, und damit können wir in allen Ortsteilen attraktive Baumöglichkeiten bieten.

Mein Anliegen bleibt jedoch nach wie vor, dass wir unseren alten Ortskerne nicht vergessen und wo immer es möglich ist wieder neue bauliche Nutzungen hier ermöglichen. Und deshalb bin ich dem Gemeinderat auch sehr dankbar dafür, dass wir künftig Fördermittel dafür bereitstellen, dass abgängige Bausubstanz auch abgerissen wird und nicht einerseits das Ortsbild beeinträchtigt uns andererseits junge Menschen davon abhält, im Ortskern zu bauen.

Und dabei sollten sie sich auch von den sicher gegebenen Beeinträchtigungen durch die Ortsdurchfahrten der Bundesstraße B 312 nicht zu sehr beeindrucken lassen. Mit den heutigen Möglichkeiten des Lärmschutzes lassen sich diese Beeinträchtigungen beherrschen. Und es entlockt mir manchmal auch ein Grinsen, wenn ich höre, dass junge Leute die Alb verlassen und in größere Städte ziehen, wo die Lärmbelastung um ein vielfaches höher ist.

Auch wenn sich nach wie vor viele Ortsumgehungen wünschen: Ich halte nichts davon, wenn man sich selbst – oder schlimmer, wenn der Bürgermeister die Menschen belügt und den Eindruck und die Hoffnung erweckt, dass hier kurz oder auch mittelfristig etwas zu machen ist. Die entsprechenden Chancen waren vor einigen Jahrzehnten da, damals hat man sie ausgeschlagen.

Viele anderen Gemeinden auf der Alb kämpfen mit ganz anderen Ortsumgehungen: Dass nämlich die Datenautobahn einen weiten Bogen um ihre Dörfer macht. Hier sind wir – das kann man mit Fug und Recht sagen – an der Spitze! Mit dem Anschluss von Tigerfeld im Frühjahr stehen jetzt in allen Ortsteilen leistungsfähige Breitbandanschlüsse zur Verfügung, und in den erwähnten Baugebieten in Pfronstetten und Tigerfeld ist das Kupferzeitalter bereits überwunden, hier werden die Neubauten direkt ans Glasfasernetz angeschlossen. Natürlich ist unser Fernziel, allen Gebäuden einen solchen FttH-Anschluss zu bieten. Aber aufgrund der kompakten Siedlungsstruktur unserer Ortsteile ist schon heute absehbar, dass der für Privathaushalte gegebene Bedarf auch auf lange Sicht über die vorhandenen Kupferleitungen gedeckt werden kann. Und hier möchte ich mich auch einmal bei der viel gescholtenen Deutschen Telekom bedanken, wir wurden und werden wirklich hervorragend versorgt.

Mutig und zukunftsorientiert haben sich die Grundstückseigentümer in den Flurneuordnungsgebieten Aichstetten/Tigerfeld und Geisingen/Huldstetten gezeigt, als sie der Einleitung der entsprechenden Verfahren zugestimmt haben. Ich bin mir sicher, dass in einigen Jahren niemand mehr zu den alten Verhältnissen zurück möchte und dass auch die Kosten, die mit den Verfahren verbunden sind, tragbar sein werden. Ganz besonders möchte ich jenen danken, die anfangs der Flurneuordnungsverfahren ablehnend gegenüberstanden, dann aber die demokratische Entscheidung akzeptiert haben und jetzt aktiv am Gelingen mitarbeiten!

Einen Verlust an Infrastruktur haben wir durch die Schließung von Bankzweigstellen in unserer Gemeinde erfahren. Aber auch die Banken haben zu kämpfen, und so sind die getroffenen Entscheidungen wirtschaftlich durchaus nachzuvollziehen. Gegenüber manch anderen, größeren Gemeinden haben wir zudem den Vorteil, dass uns immerhin der Geldautomat geblieben ist. Hier gilt aber auch das, was auch für alle Ladengeschäfte und Betriebe in der Gemeinde, aber auch die „fahrenden“ Metzger und Bäcker gilt: Nur wenn diese auch angenommen und genutzt werden, kann ihr Bestand auf Dauer gesichert werden. Das englische Schlagwort „buy local“ kann also ruhig auf Schwäbisch übersetzt werden: „Kauf em Ort!“.

Ich war vor kurzem im Kindergarten, um mich mit den Vertretern der Kirche über die künftige Entwicklung auszutauschen. Die Angebote, die wir in den letzten Jahren zusätzlich zum „normalen“ Betreuungsangebot geschaffen haben, werden immer stärker in Anspruch genommen. Das zeigt, dass wir hier auf dem richtigen Weg sind, auch wenn dieses Thema anfangs von vielen belächelt oder gar als unnötig abgetan wurde. Nur wenn junge Familien eine verlässliche Betreuungsmöglichkeit für ihre Kinder sehen, werden sie eine Zukunft auf dem Dorf ins Auge fassen.

Positiv ist auch die Entwicklung unserer Wunderbuch-Grundschule. Für eine so kleine Schule ist es nicht einfach, das Thema Ganztagsbetreuung erfolgreich anzugehen. Dass uns das doch bisher recht gut gelungen ist, haben wir dem beispielhaften Engagement unseres Lehrerkollegiums, vorneweg unserer Rektorin Irina Blaschka zu verdanken. Ich weiß, dass sie dafür mehr als einmal bis an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit gegangen ist, umso mehr gebührt ihr hierfür unsere Hochachtung. Danken möchte ich auch dem Schulförderverein, den wir in diesem Jahr mehrfach für Bewirtungen herangezogen haben und der durch solche Arbeitseinsätze Mittel erwirtschaftet hat, die er dann für unsere Schüler einsetzen konnte.

Das sich nach den etablierten Jugendclubs in Aichelau und Aichstetten, der ebenfalls schon länger bestehenden Hütte in Pfronstetten und der gut gedeihenden Hütte in Tigerfeld jetzt auch Jugendliche aus Huldstetten und Geisingen dafür stark machen, dass sie einen Treffpunkt bekommen, zeigt zweierlei: Nämlich dass sie sich wohlfühlen in unserer Region und dass sie bereit sind, das eigene Leben in die Hand zu nehmen und sich gemeinsam etwas aufzubauen. Deshalb macht es auch viel Freude, gemeinsame mit den jungen Menschen den Weg durch den Paragrafendschungel zu gehen.

Und wenn die Jugendlichen dann dem Jugendclub-Alter entwachsen sind und den nächsten Schritt, nämlich in Richtung der Gründung einer eigenen Familie machen wollen, dann ist dies seit diesem Jahr noch attraktiver: So sind jetzt auch Eheschließungen unter  freiem Himmel auf dem Georgenhof und im ehemaligen Pfarrhaus in Tigerfeld möglich.

Mit der Gründung der organisierten Nachbarschaftshilfe auch in unserer Gemeinde bieten sich jetzt auch für die Menschen am anderen Ende der Alterspyramide Hilfe und Unterstützung, um möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben in der Heimat führen zu können. Dass dieses Angebot auf ehrenamtliche Basis und unterstützt durch die Kirchengemeinden ins Leben gerufen wurde ist bemerkenswert. Ich möchte hier jetzt keine Werbung für die Kirchen machen. Aber wer sich vergegenwärtigt, in wie vielen Bereichen unsere Kirchen das Leben der Menschen erleichtert, der müsste beim Thema Kirchenaustritt eigentlich zu einer eindeutigen Entscheidung kommen.

Ein ebenfalls wichtiger Standortfaktor für die Lebensqualität in unserer Gemeinde sind die örtlichen Vereine. Auch 2016 haben diese wieder viel geleistet, um unseren Kindern einen guten Start ins Leben zu ermöglichen und um das Leben aller Menschen durch Angebote und Veranstaltungen zu bereichern. All das wird ehrenamtlich geleistet, und nicht selten wird man auch noch gescholten. Umso größer sollte der Dank aller sein, die diese Arbeit wertschätzen.

In diesen Dank schließe ich ein die Aktiven der Freiwilligen Feuerwehr in unserer Gemeinde, die ja in diesem Jahr mehr als einmal ihr Können unter Beweis stellen mussten – einmal sogar bei einem richtig „heißen“ Einsatz. Gelungene Generationswechsel in der Führungsebene zeigen, dass unsere Truppe motiviert ist! Dies ist auch darauf zurückzuführen, dass Gemeinderat und Gemeindeverwaltung bei der Erneuerung der Ausstattung unserer Einsatzabteilungen am selben Strang und – ganz wichtig – auch in dieselbe Richtung ziehen. Nach Tigerfeld, Aichstetten und Huldstetten soll nun auch Aichelau ein neues Einsatzfahrzeug bekommen, weitere Fahrzeuge für Geisingen und schließlich auch Pfronstetten sind absehbar.

Welche Herausforderungen stehen im neuen Jahr an?

Für großes Aufsehen sorgt die Frage, ob im Bereich zwischen Pfronstetten und Oberstetten auch auf unserer Gemarkung Windenergieanlagen errichtet werden können. Der Regionalverband Neckar Alb verfolgt entsprechende Pläne, und schon in Kürze müssen wir uns als Gemeinde hierzu äußern. Nachdem derartige Planungen an vielen Orten für Streit sorgen, haben wir ganz bewusst frühzeitig diejenigen, die dem kritisch gegenüber stehen,  dazu aufgerufen, sich zu organisieren. Unsere Hoffnung war und ist, dass wir bis zu einer Entscheidung über die abzugebende Stellungnahme im Gemeinderat in einem transparenten und sachlichen Verfahren die Bevölkerung informieren können.

Und deshalb möchte ich auch die Bevölkerung dazu aufrufen, offen und für Argumente zugänglich an diese Sache heranzugehen. Es ist wie so oft im Leben: Es ist nicht alles schwarz und es ist auch nicht alles weiß. In diesen Grautönen müssen wir die für uns richtige Entscheidung treffen, und mit dem Fundamentalismus ist es in dieser Frage wie in der großen Politik: Er kann zwar zu Ergebnissen führen, nicht aber immer auch zu Lösungen.

Unsere Gewerbebetriebe sind ein wesentlicher Grund dafür, dass es uns als Gemeinde wirtschaftlich gut geht, deshalb möchte ich mich auch an dieser Stelle herzlich bei allen Betrieben bedanken. Die Zahl der Arbeitsplätze in unserer Gemeinde hat in den letzten 20 Jahren um fast 200 zugenommen. Die Entwicklung bei der Gewerbesteuer ist dem entsprechend. Die Gemeinde tut deshalb gut daran, ihre Betriebe – ob klein oder groß – nach Möglichkeit zu unterstützen. Dass dies bei Anwohnern nicht immer auf die allergrößte Gegenliebe stößt ist manchmal unvermeidlich. Hier müssen wir dann aber auch weitblickend und standfest genug sein, um notwendige und insgesamt auch richtige Entscheidungen zu fällen und auch umzusetzen. Die Richtigkeit des Sprichworts „Allen Leuten recht getan, ist eine Kunst die niemand kann“ wurde in unserer Gemeinde in den vergangenen Jahrzehnten schon hinreichend bewiesen, diesem Irrweg sollten wir also nicht nachgehen.

Und so ist die begonnene Neugliederung des Gewerbegebiets Lerchenberg, die mit der direkten Anbindung an die Bundesstraße im nächsten Jahr vollendet werden soll, genauso richtig und wichtig wie die Bemühungen, der Firma Paravan in Aichelau Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten. Auch wenn man sich hier Anfeindungen aussetzt und vielleicht auch die eine oder andere Stimme bei Wahlen verliert, ein richtiger Weg bleibt richtig!

Und manchmal sind es ja auch kleine Dinge, die den Betrieben helfen: Bisher habe ich drei Betriebe im Rahmen unserer neuen Serie „UnternehmerInnen in Pfronstetten“ besucht und über ihre Arbeit im Mitteilungsblatt und auf unserer Internetseite berichtet, die Resonanz darauf war überraschend groß. Nicht selten wussten nicht einmal die nächsten Nachbarn, was denn da konkret gemacht wird. Ich hoffe sehr, dass diese Beiträge auch dazu beitragen, dass das eine oder andere Angebot auch in Anspruch genommen wird.

Ein ambitioniertes Vorhaben ist das Dorfgemeinschaftshaus in Aichelau. Die Festlegung, das Aichelau als nächster Ortsteil ein Dorfgemeinschaftshaus bekommen soll, erfolgte schon vor meiner Zeit hier in der Gemeinde. In Huldstetten konnten wir den Planungsprozess für das dortige Gebäude innerhalb von nur drei Monaten abwickeln, die bauliche Umsetzung selbst war ein Musterbeispiel für bürgerschaftliches Engagement. In Aichelau konnten wir uns in dieser Zeit noch nicht einmal auf einen Bauort verständigen. In diese Sache muss nun, das halte ich für unabdingbar, eine gewisse Dynamik und auch Einigkeit kommen! Ich bin Sportler, deswegen ist mir das Wort von Turnvater Jahn gut geläufig: „Großes Werk gedeiht nur durch Einigkeit!“. Ich rufe die Aichelauer deshalb dazu auf, sich für einen Weg zu entscheiden und diesen dann auch gemeinsam zu gehen und zu unterstützen!

Nachdem ich in diesem Jahr in meinem Amt bestätigt wurde, möchte ich in einigen Punkten auch einen Ausblick meine zweite Amtsperiode geben – nicht ohne allerdings zuvor auch auf die Wahl zurückzublicken.

Es war mir vorher klar, dass bei einer Wahl zwischen dem Amtsinhaber und einer jungen, sympathischen und durchaus auch kompetenten Herausforderin der Amtsinhaber keinen grandiosen Erfolg feiern können wird. Dies umso mehr, wenn in den vorangegangenen Jahren das eine oder andere heiße Eisen angepackt wurde, das zuvor jahrzehntelang gemieden wurde. Exemplarisch möchte ich hier das Thema Flurbereinigung nennen.

Würde ich in einer solchen Situation um eine Prognose für eine mir ansonsten fremden Gemeinde gebeten, würde ich sagen, dass dann zwischen 20% und 40% für die Herausforderin keine Überraschung wäre, wenn in der Verwaltung  zudem handwerkliche Fehler passiert sind, sogar noch mehr drin ist. In dieser Bandbreite ist es letztlich geblieben, und ich habe dies auch am Wahlabend gegenüber der Presse so geäußert.

Was mich etwas nachdenklich gestimmt hat ist die Tatsache, dass es vor der Wahl nur sehr wenige Rückmeldungen aus der Bevölkerung gab.

Sie werden keinen Bürgermeister in unserer Region finden, der in den vergangenen acht Jahren mehr Bürgerversammlungen durchgeführt hat als ich. Vor jeder für einen Ortsteil wichtigen Entscheidung habe ich so über die Vorstellungen der Gemeindeverwaltung informiert und um die Meinung der Teilnehmer gebeten. Wenn dann sehr wenig zurückkommt, kann man dies entweder als Desinteresse oder aber als mehr oder weniger begeisterte Zustimmung werten. Nachdem desinteressierte Bürger eher nicht zu einer Bürgerversammlung kommen, habe ich die zweite Variante angenommen.

Erst  nach einigen Monaten des Nachdenkens hat mich die Aussage eines Bürgers aus Geisingen auf etwas gebracht. Er sagte zu mir, dass es ihm nicht so recht sei, dass ich auf jede Frage eine Antwort habe. Anfangs konnte ich mit dieser Aussage wenig anfangen, inzwischen glaube ich aber zu verstehen, was er meinte. Nämlich dass ich für jede Frage eine unumstößliche Lösung habe, an der es nichts mehr zu diskutieren gibt.

Dieser Eindruck, sollte er so entstanden sein, ist grundfalsch. Ich erachte es geradezu als Pflicht eines Bürgermeisters, dass er sich zu jeder Frage mehr oder weniger schnell eine Meinung bildet, diese auch äußert und begründen kann. Das heißt aber nicht, und das widerspricht auch meinem grundsätzlichen Verständnis von Demokratie, dass diese Meinung dann 1:1 mit der Entscheidung des Gemeinderats und damit auch der Gemeinde übereinstimmt. Dass dies tatsächlich nicht so ist, haben wir hier im Gemeinderat schon mehrfach bewiesen.

Und deshalb möchte ich dies auch vor die Klammer all dessen setzen, was in den kommenden Jahren auf uns zukommt: Natürlich wird der Bürgermeister sich eine Meinung zu anstehenden Fragen bilden und diese auch äußern, aber entschieden wird – im Idealfall nach einem demokratischen Diskurs, im Ringen um die richtige Lösung – hier im Gemeinderat!

Und ich sage auch: Persönlich wirklich getroffen hätte es mich, wenn man mir Fehler oder Versäumnisse in der Verwaltungsarbeit oder auch in der Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat vorgeworfen hätte. Dies war bis heute nicht der Fall, und ich denke nach den Erfahrungen der Gemeinde aus den zurückliegenden Zeiten wird dies auch im Wesentlichen wertgeschätzt.

Bleibt also die Frage, was ich in Zukunft anders machen möchte.

Es ist sicher richtig, dass ich im Vergleich zu anderen Kollegen ein zurückhaltender Lokalpolitiker bin. Ich muss nicht auf jedem Pressefoto sein und ich hatte auch überhaupt kein Problem damit, im Fernsehbericht  des Südwestrundfunks nicht berücksichtigt zu werden. Ich schätze ich sehr, wenn man meine Privatsphäre respektiert, und so verhalte ich mich auch anderen gegenüber.

Ich muss nun erkennen, dass manche diese Zurückhaltung als Distanz verstehen, die von mir so nicht beabsichtigt ist. Und so will ich mich bemühen und künftig beim Einkaufen im ALDI in Engstingen sehr wachsam darauf achten, ob jemand aus der Gemeinde an mir vorbei läuft, während ich verzweifelt versuche, die auf dem Einkaufszettel stehenden Waren zu finden. Denn ich weiß jetzt, dass dies ansonsten zum Verlust von Wählerstimmen führen kann.

Mein Problem dabei: Die meisten Bürger kennen mich, ich kenne aber auch nach acht Jahren nicht alle Bürger! Und dass ich zu allem Unglück auch noch ein schlechtes Personengedächtnis habe, erleichtert das Ganze nicht wirklich. Aber: Es ist nicht verboten, den Bürgermeister anzusprechen, wenn er jemanden in der Fremde nicht sofort erkennt!

Um diesen Anschein der Distanz zwischen Gemeindeverwaltung und Bürgerschaft abzubauen, werden ich mich ab dem neuen Jahr in manchen Situationen direkt an die Menschen wenden.

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Einen solchen Baby-Latz sollen die Eltern neugeborener Kinder ab dem neuen Jahr erhalten

So werden künftig – sobald wir die entsprechenden Lieferschwierigkeiten überwunden haben – alle Eltern neugeborener Kinder ein kleines Geschenk der Gemeinde erhalten, und zwar einen Babylatz mit einem aus unserem Logo entwickelten Aufdruck. An dieser Stelle möchte ich mich bei unserer „Hausdesignerin“ Sarah Schick aus Geisingen bedanken, die für die Gestaltung verantwortlich zeichnet.

Und wir werden künftig bei jedem Sterbefall Kondolenzkarten an die Hinterbliebenen versenden. Es wird mir auch zukünftig aus zeitlichen Gründen nicht möglich sein, an jeder Beerdigung teilzunehmen, und so möchten wir auf diesem Weg unsere Anteilnahme zum Ausdruck bringen. Viele Kollegen verfahren ebenso und berichten, dass dies durchaus anerkannt wird.

Und schließlich werden wir auch im Gemeinderat neue Wege betreten: In Kürze treffen wir uns zu einer ersten Klausurtagung außerhalb der Gemeinde, um dort losgelöst von zeitlichen Zwängen strategische Überlegungen für die Zukunft vornehmen zu können.

Ich hoffe und bin zuversichtlich, dass wir auf diesem Weg auch die kommenden Jahre gemeinsam erfolgreich gestalten und unsere Gemeinde Stück für Stück voranbringen können.

Ich danke allen, die im abgelaufenen Jahr mit dazu beigetragen haben, dass die Gemeinde ihren guten Weg fortsetzen konnte. Oftmals sind es auch scheinbar kleine und unscheinbare Dinge, ohne die das Funktionieren des Gemeinwesens undenkbar wäre.

Mein besonderer Dank gilt den Mitgliedern des Gemeinderats für die immer vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit.

Den Vertretern der Presse danke ich für die gute Zusammenarbeit, uns eint ja das Ziel, die Menschen umfassend und aktuell über die Geschehnisse in der Gemeinde zu informieren und dies ist im ablaufenden Jahr wieder gut gelungen.

Den Zuhörern in der heutigen Sitzung danke ich für ihr Interesse.

Ich wünsche nun Ihnen allen, Ihren Angehörigen, allen Mitarbeitern, allen die bei uns ehrenamtlich tätig sind und der ganzen Gemeinde gesegnete Weihnachten und ein gesundes, erfolgreiches und vor allem zufriedenes neues Jahr!

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