Sachliche Diskussionen beim Infomarkt zur Windenergie

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Nicht überlaufen, aber gut besucht war der Infomarkt der Gemeinde zum Thema Windenergie. Sachliche Diskussionen standen im Mittelpunkt.

Das Format war neu, hat sich aber als sinnvoll erwiesen: Es gab keine Redner, welche die Besucher von der Bühne herab infomierten, sondern insgesamt sieben Stände, an denen unterschiedliche Themen von Experten erläutert wurden.

Am Stand der Gemeinde informierten Bürgermeister Reinhold Teufel und Ulrich Thomas vom Planungsbüro Künster über das Thema Flächennutzungsplanung. Die Gemeindeverwaltung strebt an, mit diesem Planungsinstrument zu verhindern, das überall im Gemeindegebiet – und damit auch an ortsnahen Standorten südwestlich der Ortslagen – Anlagen errichtet werden können. Notwendiges Übel hierfür ist allerdings, dass im Gemeindegebiet der Windkraft „substanziell Raum“ gibt. Dies soll dann dort erfolgen, wo es möglichst wenig Auswirkungen hat: Nördlich der Ortslagen und in ausreichender Entfernung.

Mit Dipl. Ing. Christian Eulitz vom Büro möhler+partner, einem anerkannten Akustik- und Infraschallexperten, wurde auf Wunsch der Bürgerinitiative ein absoluter Fachmann zum Thema Infraschall nach Pfronstetten geholt. Eulitz ist aktuell an einem Forschungsvorhaben im Auftrag des Umweltbundesamtes beteiligt, in dem bis Juli 2018 die Auswirkungen der Infraschallemissionen von Windkraftanlagen erforscht werden sollen.

Seitens des Projektentwicklers wpd informierten Sebastian Grosch und Jörg Dürr-Pucher an ihrem Infostand über die geplanten Anlagen auf Markung Oberstetten und die zusätzlich denkbaren Anlagen auf Markung Pfronstetten. Hier standen vor allem die Fotosimulationen im Mittelpunkt der Diskussionen.

Die rechtlichen Hintergründe des immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahrens erläuterten Dr. Claudius Müller vom Landratsamt und Jeanine Großkloß vom Regierungspräsidium Tübingen. Hier spielten der Artenschutz und die politischen Vorgaben des Landes eine große Rolle.

Nachdem die auf Markung Pfronstetten liegenden Potenzialflächen zu großen Teilen dem Land gehören (Staatsforst), waren mit Juliane Spiegelhalter und Bonnie Klein Vertreterinnen der Forstdirektion anwesend. Sie machten deutlich, dass der Staatsforst angehalten ist, in Frage kommende Flächen auch für eine Windenergie-Nutzung bereitzustellen. Revierförster Peter Ostertag ging auf die Auswirkungen ein, die sich durch die Abholzung der benötigten Flächen ergeben.

Waltraud Geiselhart und Thomas Goerlich vom BUND Reutlingen machten an ihrem Stand deutlich, dass sich einige Naturschutzverbände ausdrücklich für die Windenergie aussprechen. Begründet sei dies darin, dass diese trotz der Auswirkungen auf Fauna und Flora zumindest mittelfristig eine bessere Form der Energieerzeugung sei als Kohle und Kernkraft.

Thomas Wagner und seine Mitstreiter am Stand der Bürgerinitiative Gegenwind Pfronstetten machten deutlich, dass für sie die Nachteile der Windenergie deren genannten Vorteile bei weitem überwiegen. Vor allem die Tatsache, dass noch nicht bewiesen ist, dass von diesen Anlagen keine für die Menschen nachteiligen Auswirkungen ausgehen, bestärke sie in dieser Sicht.

Für oder Wider Windkraftanlagen? Darüber wurde am Mittwochabend in der Pfronstette Albhalle ausführlich diskutiert – zudem gab es vielfältige Informationen, wie hier von Christian Eulitz, der Fakten zu den gesundheitlichen Auswirkungen des Infraschall vorstellte.

Insgesamt verliefen die Gespräche und auch die abschließende Diskussion in breiter Runde sehr konstruktiv und sachlich. Bürgermeister Reinhold Teufel machte deutlich, dass die Entscheidungsträgers ehr wohl vernommen haben, dass die Bevölkerung nicht mit den Plänen des Regionalverbands einverstanden ist, im Gemeindegebiet Vorranggebiete für die Windenergie auszuweisen. Ebenso deutlich sei aber zu spüren, dass auch ein unkontrollierter Bau solcher Anlagen in der Gemeinde nicht gewünscht sei. Königsweg sei deshalb ein Flächennutzungsplan, der Anlagen dort ausschließt, wo man sie nicht will, nämlich in Hauptwindrichtung vor den Ortslagen und zu nah an den Dörfern.

Organisiert und moderiert wurde die Veranstaltung vom Forum Energiedialog. Christiane Freitag und Jakob Lenz hatten im Vorfeld zusammen mit einer Dialoggruppe bestehend aus allen Projektbeteiligten das Format entwickelt. Dr. Christoph Ewen moderierte den Abend, was angesichts der Brisanz des Themas nicht immer ganz einfach war.

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